Wa(h)re Kunst

Am vergangenen Wochenende hatte ich eine schöne Begegnung mit einem befreundeten Sänger und Songwriter. Wir sprachen übers Songwriting, über unsere Lieder und Texte und über den Klassiker: die Spannung zwischen dem eigenen künstlerischen Anspruch und den Anforderungen des Marktes. Wie sehr muss sich die Künstlerin/der Künstler den Erwartungen der potentiellen Käufer anpassen oder eben doch einen eigenen Weg gehen? Ist Kunst eine Dienstleistung, weil man sich ja schließlich gerne dafür bezahlen lassen möchte? Oder ist die künstlerische Arbeit doch eher so etwas wie eine pädagogische Leistung, bei der die Künstlerin/der Künstler die Leser/Hörer/Betrachter an die Hand nimmt und sagt: ‚Komm mal mit, ich zeig dir mal was …‘ Wahrscheinlich beides….

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Wie ich Songs schreibe

Als ich ein älterer Jugendlicher oder vielleicht auch junger Erwachsener war (so genau weiß ich das nicht mehr), hatte ich, was das Schreiben von Liedern angeht,  eine wichtige Erkenntnis: Ich kann das. Damit meinte ich nicht, dass ich mich für besonders begabt hielt, Lieder zu schreiben. Es war vielmehr die ganz banale Erkenntnis, dass ich Worte und Töne miteinander verbinden konnte und dass auf diese Weise ein Lied entstand. Ich hatte einen ziemlich schlechten englischen Text verfasst, eine Art Gedicht, und dann in einem Anfall von Wagemut mir dazu mehr oder weniger passende Töne ausgedacht. Und siehe – ein Lied war entstanden. Wie gesagt, es war ein schlechtes Lied. Aber…

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Von der Wichtigkeit des Unnützen

Gestern habe ich in Franken eine junge Künstlerin getroffen. Ich hatte bei einem Gottesdienst gesprochen und mich wie gewöhnlich als Künstler aus Marburg vorgestellt. Allein das war Grund genug für sie, nach meiner Predigt nach vorne zur Bühne zu kommen und nach meiner Kunst zu fragen. Während meines Vortrages hatte ich meine sonstige Arbeit gar nicht erwähnt. Nur zur Einführung, als ich mich vorstellte, hatte ich kurz gesagt, was ich zuletzt gemacht habe und womit ich mich zurzeit beschäftigte. Ansonsten ging es um etwas völlig anderes. Sie aber sprach mich auf meine Kunst an. Ich vermute, das lag daran, dass es eben nicht häufig vorkommt, dass sich jemand selbst als…

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Kauf dir was Schönes

In der Vergangenheit sind immer wieder mal Freunde auf mich zugekommen, die gerne ein Gemälde von mir gekauft hätten. Allein über das Interesse habe ich mich schon sehr gefreut. Aber dann kam die peinliche Frage: “Wieviel soll es denn kosten?” Das ist immer so ein blöder Moment. Als Künstler willst du ja nicht einfach nur Geld verdienen. Das natürlich auch. Aber schon allein die Anerkennung deiner Arbeit, die Tatsache, dass jemand bereit ist, für das, was du hergestellt hast, Geld zu bezahlen, ist eine große Freude. Blöd ist dieser Moment trotzdem, weil du jetzt mit dem tatsächlichen Preis rausrücken musst. Und der ist meistens recht hoch. Jedenfalls höher, als die…

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Charlie rastet aus

Fahr schön vorsichtig, sagte Heiner. Sie waren beide noch ziemlich tapsig. Die Köpfe schmerzten, Charlie war sogar noch ein bisschen schwindelig, zum Beispiel wenn er sich herabbeugte, um seine Schuhe zu binden. Es war vielleicht doch keine so gute Idee gewesen, bis nachts um vier aufzubleiben und Winnies Single Malt Whiskey zu testen, von dem er so geschwärmt hatte. Es war aber auch ein leckeres Gesöff gewesen, nicht so kratzig, wie sonst, sondern samtweich und fast schon fruchtig süß. Charlie war kein Säufer. Er trank gerne mal ein Bierchen, Beck’s oder noch lieber Haake Beck. Um die harten Sachen machte er normalerweise einen Bogen. Aber gestern war das etwas anderes…

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Timmy schaukelt

Unser Universitätsstädtchen hat einen Spielplatz, der direkt am Fluss liegt – nicht so unmittelbar, dass Kinder hineinplumpsen könnten, aber immerhin so nahe, dass man bequem zu ihm hinüberspazieren kann, selbst wenn man sehr kurze Beine hat. Dieser Spielplatz wimmelt fast immer vor Menschen. Er ist voller engagierter Eltern, die ihre Sprösslinge rund um die Uhr fördern und fordern und sie wahrscheinlich nachts wecken, um sie im zarten Alter von drei Jahren zwischen den einzelnen Schlafphasen flugs ein paar Englischvokabeln abzufragen. Und er ist natürlich voller Kinder, kleine, nimmermüde, blond- und braungelockte Racker, die die Klettergerüste hinaufkraxeln, die Rutschen hinunterpurzeln, Sandburgen und -kuchen bauen und Käfer und Ameisen in einer Suppe…

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