Als wir darüber beraten hatten, wie das Album klingen sollte, waren wir schnell zu dem Schluss gekommen, dass wir die Songs live, also gemeinsam als ganze Band, einspielen wollten. Das ist nicht unbedingt üblich. Es wäre genauso gut möglich gewesen, dass jedes Instrument nacheinander seinen Part einspielt und ganz am Ende, nachdem alle anderen ihren Job erledigt haben, der Gesang hinzugefügt wird.

Das wäre leichter gewesen. Aber wir entschieden uns bewusst für den schwierigeren und traditionelleren Weg. Die gesamte Band versammelte sich im Aufnahmeraum, während ich bei Philip in der sogenannten Regie blieb und von dort aus sang. Eine dicke, schallundurchlässige Scheibe trennte uns voneinander, so dass wir uns nur über die Mikrofone verständigen konnten.

Und dann galt es. Jeder Song musste mehrfach aufgenommen werden. Machte einer einen Fehler, mussten wir das Ganze wiederholen. Und wenn wir es fehlerfrei hinbekamen, wiederholten wir es trotzdem. Denn es ging ja nicht nur um Fehlerlosigkeit, sondern vor allem auch um den Ausdruck. Und selbst wenn wir ihn gut getroffen hatten, konnte es sein, dass es uns beim nächsten Mal noch besser gelingen würde.

Zum Musikmachen braucht es nicht nur die Instrumente, sondern auch den Körper. Und der ist nach mehreren Stunden richtig müde. In meinem Fall waren das nicht nur die Stimmbänder. Die hielten ganz gut durch. Unsere tagelangen Proben in den Wochen und Monaten vor dem Studiotermin zahlten sich aus. Nein, mir zitterten irgendwann die Beine. Die Rumpfmuskulatur machte schlapp. Und am Ende eines Studiotages fühlte ich mich, als wäre ich mehrmals um den Delmenhorster Wall gejoggt.

Die anderen klagten über schmerzende Finger, verkrampfte Schultern und Blasen. Aber ›klagen‹ ist eigentlich das falsche Wort. Es beschwerte sich niemand. Im Gegenteil, wir genossen die gemeinsame Zeit.

Wenn eine Gruppe von fünf Männern unterschiedlichen Alters gemeinsam eine Herausforderung annimmt, ist das schon ein besonderes Erlebnis. Und es schweißt zusätzlich zusammen, wenn es sich dabei auch noch um eine künstlerische Herausforderung handelt. Die gemeinsame Arbeit an einem kreativen Projekt kann, wenn es gut läuft, Menschen ganz eng miteinander verbinden. Es braucht Verständnis für die Eigenarten des anderen. Es muss jedem gestattet sein, sich auf die Weise einzubringen, die ihn auszeichnet. Und es ist viel Nachsicht nötig für die Fehler des anderen, sowohl die charakterlichen als auch die situativen Fehler – gerade dann, wenn die Gruppe eigentlich am Ende ihrer Kräfte ist und einer im entscheidenden Moment nicht aufpasst.

Am Ende der fünf Tage im Studio waren wir mehr als eine Band, wir waren schon fast so etwas wie eine Bruderschaft. Und allein dieses Erlebnis ist die Mühe wert gewesen.

Ich hoffe sehr, dass euch die Musik gefällt! Anhören und kaufen könnt ihr sie zum Beispiel hier. Danke!