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Gofi Müller Beiträge

Paulus und Ai Weiwei

Es wird Dir nicht entgangen sein, dass ich am Ende dieser Woche nach Griechenland reisen werde. Gemeinsam mit einer Gruppe von knapp 20 Leuten zwischen Ende 20 und Anfang 70 werde ich mir die Orte anschauen, die der jüdische Gelehrte Shaul von Tarsos, besser bekannt als Paulus, bereist hat: Thessaloniki, Philippi, Veria (das biblische Beröa), Athen und Korinth.

Paulus begleitet mich schon mein ganzes Leben. Seit meiner Jugend studiere ich seine Briefe, die im Neuen Testament überliefert worden sind, und versuche, mir einen Reim auf sie zu machen. So nah wie zuletzt aber bin ich ihm noch nie gekommen. Als Vorbereitung auf die Reise studiere ich seine Worte und sein Leben neu, höre stundenlang Vorträge und lese Bücher. Eine Sache sticht mir dabei ganz besonders ins Auge: Er lehnte sich gegen die bestehenden Ordnungen und Autoritäten der damaligen Zeit auf.

Paulus forderte die religiösen, philosophischen und politischen Kräfte heraus, erklärte sie für ungültig und entwarf ein Gegenmodell auf der Grundlage seines jüdischen Glaubens und einer tiefgreifenden spirituellen Erfahrung, die sein Verständnis der Wirklichkeit völlig veränderte. Dieser Gegenentwurf blieb bei ihm nicht Theorie, sondern er manifestierte sich in der Gründung von Gemeinschaften, die es so ähnlich zwar bereits gab, in der Form, in der Paulus sie bildete, aber dennoch etwas völlig Neues waren.

Die Briefe, die er schrieb, bildeten die theologische Grundlage. Es waren praktische Anleitungen für die Art, wie das Leben in diesen Gemeinschaften jetzt geführt werden sollte. Und sie lieferten die Begründung dafür, warum das wichtig war. Das war eine riesige Leistung. Denn Paulus griff das auf, was er gelernt hatte und was er in der damaligen Gesellschaft vorfand, und formte daraus etwas bisher nie Dagewesenes. Zwar erinnert es an Formen und Gedanken, die bereits existierten. Paulus greift aber das Vorhandene auf, deutet es neu und führt es von dort ausgehend weiter.

Er hätte sich nicht als Revolutionär verstanden, auch wenn das, was er (und andere Leiterinnen und Leiter der frühen Kirche) tat, revolutionär war. Auch hätte er sich nicht als Künstler bezeichnet, weil die damalige Welt unter Kunst etwas völlig anderes verstand als wir heute.

Nach unserem heutigen Verständnis eines Künstlers aber würde das durchaus gehen. Die Kunst der heutigen Zeit bietet neue Perspektiven an, zweifelt an gesetzten Ordnungen und Normen, fragt: „Warum sollte es so sein müssen, warum sollte es nicht anders sein können?“ Kunst, die uns heute bewegt, sucht danach, wer wir sind, wo wir herkommen und wohin wir gehen. Sie erkennt Repression und lebensfeindliche Strukturen und attackiert sie. (Bis sie in Museen wandert und Wohnzimmer dekoriert, aber das ist ein anderes Thema.) So, wie ich meinen Paulus verstehe, hat er das auch getan. Und damit erinnert er mich an einen zeitgenössischen chinesischen Künstler, den Du vielleicht auch kennst und den ich in diesem Newsletter schon einmal vorgestellt habe: Ai Weiwei.

Ai Weiwei zeigt seinen Mittelfinger. Er liegt im Krankenhaus, nachdem er von Leuten der Regierung zusammengeschlagen worden ist.

Ai Weiwei lebt inzwischen nicht mehr in China. Er hat sich vehement mit dem dortigen Regime angelegt und wurde schwer unter Druck gesetzt, zwischenzeitlich inhaftiert und bei anderer Gelegenheit ins Krankenhaus geprügelt. Die Kopfverletzung, die er sich dabei zuzog, hätte tödlich sein können. Schließlich ist er nach Europa geflohen.

Seine Kunstwerke suchen nach Schönheit. Sie sind aber immer auch eine grundsätzliche Anfrage an die bestehenden Ordnungen und hinterfragen das Handeln der Mächte und Gewalten. Ai Weiwei proklamiert die Freiheit des individuellen Ausdrucks. Er fordert das Recht für jeden einzelnen Menschen, eigene Lebensentscheidungen treffen zu dürfen. Die Tradition ehrt er, formuliert sie aber auch neu.

Mehrere traditionelle, kunstvoll bemalte Tontöpfe, die der Künstler mit gewöhnlicher moderner Haushaltsfarbe überzogen hat.
Ein traditioneller Hocker, der in jedem chinesischen Haushalt zu finden ist. Ai Weiwei hat ihn neu interpretiert.
Die Neuinterpretation eines Stuhlkreises. Die traditionellen Hocker sind zu einer kreisförmigen Skulptur verbunden worden.

(Die Bilder habe ich aus dem Buch AI WEIWEI, herausgegeben von Werner Holzwarth bei TASCHEN abfotografiert.)

Ganz schön viele Parallelen zu Paulus. Zu weit darf ich es damit aber natürlich nicht treiben. Beide Männer verstehen die Welt und die Wirklichkeit grundsätzlich vollkommen unterschiedlich. Und trotzdem. Vielleicht kann uns das Wirken des einen dabei helfen, die Arbeit des jeweils anderen besser zu verstehen? Ich glaube schon.

Was mich zu der Frage führt: Was bringt es? Wie aussichtsreich ist es, sich gegen die bestehenden Mächte und Gewalten aufzulehnen? Hat das überhaupt Aussichten auf Erfolg?

Der Vorteil an Paulus ist, dass sein Wirken bereits 2000 Jahre zurückliegt. Und in seinem Fall können wir sagen: Ja, es ist erfolgreich gewesen. Die Anfänge waren zwar bescheiden, aber die Wirkungsgeschichte enorm. (Leider nicht durchweg positiv, aber auch das ist eine andere Geschichte.)

Was lerne ich aus dem allen? Lass uns mit dem Guten, woran wir arbeiten, einfach immer weitermachen. Über Erfolg oder Misserfolg müssen vielleicht irgendwann andere befinden.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

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Schönheit ist ein Ereignis

Gestern habe ich in Schleswig über Schönheit gesprochen. Wenn wir ihr begegnen, wissen wir, dass es sich um sie handelt. Aber schon sie zu beschreiben, misslingt häufig, weil Worte sie nur unvollständig wiedergeben können.  

Viele von uns versuchen deshalb, sie fotografisch festzuhalten, weil wir fast alle ein Smartphone und deshalb eine Kamera mit uns herumtragen. Am Samstagabend, als ich nach der Lesung noch durch die wunderschöne Altstadt von Schleswig schlenderte, habe ich das natürlich ebenfalls getan. Aber auch hier ist der Eindruck unvollständig. Die Fotos sind eben nur ein Abbild der Schönheit, die wir antreffen, und nicht sie selbst. 

Der Holm, Schleswigs ältestes und schönstes Viertel in der Abenddämmerung.
Eine alte Gasse in Schleswig

Und dann kommt noch etwas Weiteres hinzu. Wenn ich etwas als schön empfinde, heißt das ja nicht, dass es Dir genauso geht. Vielleicht betrachtest Du lieber den verwitterten Kiefer eines Tieres als eine alte Gasse in abendlicher Stimmung. Kann doch sein.

Der verwitterte Kiefer eines Tieres.

Was also ist das, Schönheit? Offenbar nichts, was man klar und eindeutig bezeichnen könnte.

Auf meinen Lesungen in der vergangenen Woche in Bremen, Lemgo, Bad Segeberg und Schleswig hat es allerdings Momente gegeben, die zumindest die meisten der Anwesenden als schön empfunden haben. Es waren nicht die Geschichten an sich, die schön gewesen sind, würde ich sagen, sondern vielmehr das gemeinsame Erleben von ihnen. 

Das könnte darauf hinweisen, dass nicht ein Ding oder eine Sache schön ist, sondern die Begegnung damit. Schönheit ist ein Ereignis, eine Begegnung mit mir selbst, mit der Welt und mit anderen. Schönheit kann erst in dieser Begegnung wirklich werden. 

Deshalb kann man sie nicht fotografieren und nur schwer beschreiben. (Natürlich kann man eine sehr schöne Fotografie anfertigen, aber dann ist eher die Fotografie das, was schön ist und was zu der Begegnung mit dem Schönen führt, und weniger das, was die Fotografie zeigt.)

Ich jedenfalls habe bei jeder der sechs vergangenen Lesungen solche schönen Begegnungen erlebt. Dafür bin ich sehr dankbar, gerade auch Euch, die Ihr eine der Lesungen besucht habt. 

Solltest Du eine der Lesungen besucht haben, ohne dabei etwas Schönes erlebt zu haben, dann tut mir das leid. Vielleicht gelingt es beim nächsten Mal. Oder Du gehst stattdessen lieber spazieren. Schließlich kann man überall schöne Begegnungen erleben.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

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Alles immer gleichzeitig

Dies ist ein Auszug aus meinem Roman Wut. Liebe. Filmriss., der bald im Verlag ruach.jetzt erscheinen wird. ‘Der Mann, der schreibt’ ist eine Figur, die darin immer wieder auftaucht und das Geschehen kommentiert.

Der Mann hat geschrieben. Immer und immer wieder hat er sich hingesetzt und Worte geschrieben, während der Planet sich weitergedreht hat. Während geliebte Menschen gegangen und dann wiedergekehrt sind. Während vergangene Sicherheiten und Überzeugungen plötzlich nicht mehr sicher waren. Wenn er die Nachrichten liest, scheint es, als sei die ganze Welt verrückt geworden. Doch draußen vor seinem Fenster ist alles wie immer. 

Die Vögel, die den Winter überlebt haben, zwitschern. Entkräftete Eichhörnchen suchen nach Nahrung. Eine fremde Katze streift durchs Beet. Der Mann tritt vor die Tür und erklärt ihr freundlich, aber ernst, dass sie sich ein anderes Klo suchen muss. Sie flieht. Ein zweiter Mann erscheint. Die Katze gehört ihm. Er lacht verlegen und beteuert, dass sie nicht vorgehabt habe, ins Beet zu scheißen. Der Mann, der schreibt, glaubt ihm nicht, bleibt aber freundlich. Er verabschiedet sich und geht zurück ins Haus, obwohl er den Eindruck hat, dass der Besitzer der Katze sich mit ihm unterhalten möchte.

Der Mann liest, was er geschrieben hat. Die Spülmaschine gurgelt und plätschert in einem durchgängigen, wiederkehrenden Rhythmus. Das Smartphone auf dem Tisch summt. Jemand hat eine Nachricht geschrieben. Der Mann ignoriert das. Er spürt seinen Geschichten nach. Er spürt dem Leben in dieser Welt nach. Dem Wahnsinn, dem Schmerz, dem Hunger, der Hoffnung, der Freude über Dinge, die von Neuem beginnen, während andere unweigerlich enden.

Es ist alles immer gleichzeitig, denkt er. Es ist die Gleichzeitigkeit. Es ist die Spannung in dieser Gleichzeitigkeit, die wir auflösen wollen. Aber das wird uns nie gelingen. Zum Glück.

Der Mann klappt sein Notebook zu und geht die Vögel füttern.

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Das Leben geht weiter

Es ist merkwürdig. Wenn große Ereignisse geschehen, geht das Leben oft dennoch ganz normal weiter. Ein Mensch geht. Ein Erfolg wird errungen. Ein Lebensabschnitt wird abgeschlossen. Diese Ereignisse sind Zäsuren, an die wir uns später erinnern werden. Damals, als Werder Meister wurde, als Opa starb, als ich mein Studium abschloss, als wir uns verlobten, als ich krank wurde. Und natürlich verändern sie auch etwas in unserer Wahrnehmung, unserer Art, zu leben, und wie wir auf die Zukunft blicken. 

Und dennoch. Draußen, vor dem Fenster, geht die Sonne auf, Vögel bauen ihre Nester, Menschen gehen zur Arbeit, eine Straßenbahn rasselt vorbei. Als wäre nichts geschehen. Und so ist es ja auch. Oder vielmehr: Es passiert ständig irgendetwas, und zwar so viel, dass meine kleinen Ereignisse nur ein Teil des großen Stroms sind. Wenn wir hineinzoomen, erkennen wir einzelne individuelle Ereignisse. Von weiter weg betrachtet aber, ist das Leben einfach das Leben.

Da stellt sich die Frage, wie wichtig das überhaupt ist, was ich erlebe und was mit mir geschieht. Ich habe mich irgendwann gefragt, warum ich mich so sehr darüber freuen soll, dass meine Fußballmannschaft einen Pokal erringt, wenn schon in wenigen Wochen alles wieder von vorn beginnt und die nächste Niederlage sich so anfühlt, als würde die Welt untergehen.

Sicher, es ist nur Fußball. Aber ist es mit anderen Dingen nicht auch so? Vielleicht kennst Du das Gefühl, Dich Monate auf eine Prüfung vorbereitet zu haben. Dann hast Du sie bestanden. Und nachdem die Euphorie abgeklungen ist, folgt der Kater: Und jetzt? Was kommt jetzt? Die nächste Herausforderung.

Vielleicht hilft es manchmal, bewusst aus unserem persönlichen Ergehen herauszuzoomen und uns als Teil eines großen Ganzen zu verstehen. Vor längerer Zeit schon habe ich in einem Buch des Theologen Leonardo Boff gelesen, dass es gute Gründe dafür gibt, den gesamten Planeten Erde als einen großen Organismus zu begreifen, der von kleineren Lebewesen bewohnt wird und deren Leben mit seinem Leben unmittelbar zusammenhängen. Das ist vergleichbar mit unserem Körper, in dem unzählige winzig kleine Lebensformen entstehen, wohnen und sterben. Täglich. 

Nein, ich möchte mich nicht mit einer Darmbakterie vergleichen. Aber ich wäre gerne Teil von etwas Größerem, das fortbesteht, wenn ich gegangen bin. Und das Schöne ist: Das bin ich bereits, Teil der Erde, Mitglied einer großen Gemeinschaft.

In den vergangenen Tagen habe ich seit Längerem mal wieder Liedtexte geschrieben. Mein Freund Martin Denzin ist Musiker und wird im Juni mit mir gemeinsam auf Tour gehen, um Ausschnitte aus meinem neuen Roman WUT. LIEBE. FILMRISS. vorzulesen und dazu eigene Songs zu spielen. Diese Lieder geben Szenen wider oder Konflikte und Gedanken der Protagonist*innen. Einer der Texte passt gut zu obigen Gedanken. Es ist mir wichtig zu betonen, dass er keine Botschaft enthält, sondern die Gedanken eines Charakters wiedergibt. Aber auch die können ja hilfreich sein.

Der große Strom

Du hast kapiert 
Dass das Leben endlich ist
Darum liebst du jeden Augenblick 

Und du nimmst mit
Was auch immer dir geschieht 
Weil es alles Teil des Lebens ist

Du weißt 
Irgendwann ist Schluss 
Wann und wie weiß keiner so genau
Bis dann
Halten wir nicht an
Der große Strom trägt jeden weit hinaus

Der große Fluss
Zieht gemächlich weit ins Meer
Und die Angst wiegt plötzlich nicht mehr schwer

Und ziehst du mit
Ist die Einsamkeit vorbei
Weil wir alle Teil des Zuges sind

Du weißt 
Irgendwann ist Schluss 
Wann und wie weiß keiner so genau
Bis dann
Halten wir nicht an
Der große Strom trägt jeden weit hinaus

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

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Tschüss, Vaddi

Dieser Newsletter hat einen regelmäßigen und wichtigen Leser verloren: Mein Vater ist am vergangenen Freitag gestorben. Er wurde 93 Jahre alt. Jochen Müller schlief ein, während wir um ihn standen, für ihn sangen und beteten und ihn zärtlich berührten.

Er und ich haben es miteinander nicht immer leicht gehabt. Dabei waren wir uns in vielen Dingen sehr ähnlich. Mein Vater liebte Schönheit, Sinnlichkeit und Genuss, und wie sein Vater war auch er ein hervorragender Erzähler. 

Über viele Jahrzehnte fesselte er sein Publikum als Prediger. Er war eine Klasse für sich, formulierte griffig, erklärte eindringlich, schreckte auch vor Provokationen nicht zurück. In seinen besten Momenten war er spektakulär.

Wofür ihn Menschen vor allem liebten, war die Leidenschaft, die absolute Hingabe an das, was er tat, die totale Überzeugung von dem, wovon er sprach, seine gnadenlose Ehrlichkeit – Eigenschaften, die in der Kunst die Großen von den Mittelmäßigen unterscheidet. 

Mein Vater war nicht deshalb mutig, weil er furchtlos gewesen wäre. Er wusste, was Angst ist. Er hat sich ihr immer wieder gestellt und an dem festgehalten, wovon er überzeugt gewesen ist, auf der Kanzel, in Gesprächen und zuletzt im Angesicht des Todes.

Als Künstler hat er sich nie verstanden, obwohl er dazu Grund gehabt hätte. Als die forsche Schwester im Krankenhaus Links der Weser ihn fragte, was er denn beruflich gemacht hätte, stand der schwergezeichnete Mann kerzengerade im Flügelhemd vor seinem Bett und sagte: „Ich bin Pastor. Hirte.“ Das war kein Beruf. Das war seine Identität.

Mit einigem, was ich in diesem Newsletter geschrieben habe, hatte er große Mühe. Jedes Mal, wenn ich im GOFIZINE gegendert habe, wusste ich, dass er darunter litt. Er hielt es für einen fatalen Irrtum, ich für eine moralische Pflicht. Er hat meine Gefühle für seine Überzeugungen selten geschont. Und ich habe es ebenso gehalten. 

Wir taten das nicht, um einander zu ärgern, sondern weil wir von dem eigenen Standpunkt und dem Irrtum des anderen überzeugt waren. Als ich in meiner Neuformulierung des Vater Unser Gott als Schöpferin und Mutter bezeichnete, rief er mich im Linienbus an und hielt mir eine Standpauke. Er war nicht nur empört. Er war entsetzt. Ich konnte ihn verstehen, er mich leider nicht. Meine Meinung habe ich nicht geändert. Er seine auch nicht.

Das zeichnete unsere Beziehung aus, dass wir uns liebten, trotz fundamentaler Meinungsverschiedenheiten. Er war mir selten näher als in den Momenten, in denen er eingestehen konnte, dass er sich möglicherweise irrte. In diesen Momenten begegneten wir uns auf Augenhöhe, zwei Suchende, davon überzeugt, dass es den richtigen Weg gibt, aber nicht immer sicher, ob wir ihn beschreiten.

Als körperlich kleinster Mann unserer Familie, musste ich zu ihm aufschauen, wenn wir einander gegenüberstanden. In geistiger Hinsicht habe ich ihm das in den letzten Jahrzehnten seines Lebens verwehrt. Ich weiß nicht, ob ihn das geschmerzt hat.

Aber auch in körperlicher Hinsicht war das irgendwann nicht mehr nötig. Im Alter schrumpfte er auf meine Größe. Die schönste Begegnung mit ihm war die letzte, bevor er ins Krankenhaus kam. Er legte seine Hände auf meine Schultern und sah mir in die Augen. In seinem Blick erkannte ich nichts als Liebe und bedingungslose Annahme. Und ich bin froh, dass ich ihn in diesem Moment genauso anschauen konnte. 

Tschüss, Vaddi. Wenn das stimmt, was wir beide glauben, dann sehen wir uns wieder. Und dann werden wir es miteinander ein bisschen leichter haben. Und noch schöner.

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Kontrollierte Eskalation

In der aktuellen Ausgabe von POP KUNST SEELE sprechen wir mit der Pastorin Mira Ungewitter. Sie lebt und arbeitet in Wien, ist aber gebürtige Kölnerin. Deshalb ist der heutige Rosenmontag ein besonderer Tag für sie. Denn Mira ist erklärte Jeckin. Sie feiert seit ihrer Kindheit Karneval mit großer Begeisterung.
Ich bin in Norddeutschland aufgewachsen und habe mit den tollen Tagen nie etwas anfangen können. In der zweiten Klasse habe ich mich mal als Pirat verkleidet. An die anderen Rosenmontage kann ich mich nicht mehr erinnern. Doch nach dem Gespräch mit Mira habe ich etwas besser verstanden, warum Menschen diesen mehrtägigen Ausnahmezustand genießen und sich das ganze Jahr darauf freuen können.
Es ist eine Zeit, in der die alten Regeln nicht mehr gelten, in denen alte Ordnungen und Hierarchien außer Kraft gesetzt werden. Ja, das schließt auch Frivolität und Rausch mit ein, worüber wir Protestanten die Nase rümpfen (auch wenn Martin Luther oder auch J.S. Bach als unsere Musterprotestanten gerne und viel tranken). Es ist eben eine Art Auszeit von den Ordnungen, die wir als gegeben akzeptieren, auch wenn wir sie nicht selten als bedrückend empfinden: seriös, produktiv, gefügig, enthaltsam, höflich, gewissenhaft sein zu müssen. Das sind alles gute Werte, aber sie kosten Kraft und Disziplin.
Du wirst mir wahrscheinlich zustimmen, dass wir alle manchmal Urlaub von den bestehenden Ordnungen brauchen. Wir nehmen ihn beim Sport, beim Tanzen, beim Musikhören, in der Kurve des Fußballstadions, vor dem Fernseher, vielleicht sogar im Gottesdienst. Wie sehr dieser Urlaub dann kontrolliert eskaliert, hängt vielleicht von unserem Temperament ab. Vielleicht aber auch von der Größe des Drucks, unter dem wir stehen.
Wenn mein Bedürfnis nach kontrollierter Eskalation zu groß wird, ist das in der Regel ein Zeichen dafür, dass der Druck zu groß geworden ist. Da ist es dann klüger, eben nicht zu eskalieren, sondern sich die Beschaffenheit der Ordnung anzuschauen, die ich für mich als verbindlich betrachte, und zu überlegen, ob die Dinge wirklich so sein müssen, wie sie gerade sind. Muss ich wirklich so hart arbeiten? Ist dieser Termin wirklich unumgänglich? Kann wirklich niemand anderes diese Aufgabe übernehmen? Ist Zähne zusammenbeißen und Durchhalten wirklich die einzige Option? Muss ich gewissen Erwartungen wirklich entsprechen? Häufig ist das nicht der Fall.
Was mich zurück zum Karneval bringt. Schon in der Antike hat es ähnliche Feste gegeben, in denen auch die bestehenden gesellschaftlichen Ordnungen auf den Kopf gestellt wurden. Die Herrschaften wurden zu Dienern und umgekehrt. Vermutlich ist das damit gemeint, wenn an Weiberfastnacht Frauen den Männern die Krawatten abschneiden: ein zeitweiliger Aufstand gegen das Patriarchat. Ich finde das sympathisch. Allerdings bestätigt die Ausnahme am Ende doch wieder die Regel. Besser wäre es doch, wenn bedrückende Ordnungen ganz abgeschafft würden. Oder?


Dies ist ein GOFIGRAMM, das Editorial meines kostenlosen Newsletters GOFIZINE. Den Newsletter veröffentliche ich unter https://steady.page/de/gofimueller. Du kannst ihn dort abonnieren.

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Flood the Zone with Love

Neulich bin ich zu Fuß zum Einkaufen gegangen. Der Schnee fiel in dichten, großen Flocken, die liegenblieben und in kurzer Zeit eine Schneedecke bildeten. Die Wolken waren dunkel und schwer und hingen tief herab. Und dann hörte ich sie über sie mir: Kraniche. Sie flogen ganz niedrig über die Dächer der Häuser, mitten im Schneegestöber, auf der Suche nach einem sicheren Platz zum Rasten. Ihre Rufe klangen kläglich, als wüssten sie selbst nicht so recht, wie sie in diese Situation hineingeraten waren. „Hey“, rief ich ihnen zu, „ihr habt euch einen beschissenen Tag ausgesucht.“ Aber was sollten sie machen? Sie waren bereits unterwegs und mussten irgendwie irgendwo ankommen.

Es ist nachgewiesen worden, dass sich das Zugverhalten der Vögel tatsächlich verändert hat. Sie beginnen ihre Reisen zu spät, brechen sie ab, kehren wieder um. Die Veränderung des Klimas bringt vieles durcheinander. Es sieht so aus, als wären nicht nur wir mit der derzeitigen Situation auf dem Planeten überfordert. Sie sind es auch.

Vielleicht zum selben Zeitpunkt saß eine Freundin von mir im Bett und blickte aus dem Fenster. Sie konnte es sich leisten, die Fenster zu öffnen, weil der Tag ausreichend dunkel war. Jetzt konnte sie das Bild des herabfallenden Schnees genießen. Zumindest für eine Weile, so lange ihre Kräfte es hergaben. Denn normalerweise liegt sie tagaus, tagein in ihrem verdunkelten Zimmer. An guten Tagen schafft sie es gerade einmal, das Bad selbst aufzusuchen. Sie bleibt dann eine Weile bei den Kaninchen sitzen und genießt die Nähe der Tiere. Anschließend muss sie sich wieder hinlegen. Sie ist deutlich jünger als ich. Vor ein paar Jahren erkrankten wir zur selben Zeit an Covid. Ich wurde wieder gesund. Sie hat seitdem das Fatigue-Syndrom. Das ist keine psychosomatische Erkrankung, sondern eine organische, die bisher noch wenig erforscht ist, was dazu führt, dass Ärzte aus Unwissenheit nicht besonders hilfreiche Ratschläge geben. Die kleinsten alltäglichen Herausforderungen werden für diese Menschen zur Überforderung.

Überforderung. Das ist zu allem Überfluss die Agenda bestimmter politischer Akteure. Im neurechten Jargon heißt die Devise: Flood the Zone with Shit. Grönland. Minneapolis. Kinder, die verhaftet und in Lager gesperrt werden. Menschen, die auf offener Straße erschossen werden. Millionen von Belegen, die einen Ring aus mächtigen Pädophilen sichtbar machen. Auf einen Schlag, unmoderiert, mangelhaft redigiert. Akten tauchen auf, sie verschwinden, dann tauchen sie an anderer Stelle wieder auf. Dazu russische und amerikanische Staatspropaganda in den sozialen Medien, in bestimmten Zeitungen und in den Reden der AfD, des BSW und teilweise auch der anderen Parteien. Ein Mensch, der versucht, all das zur Kenntnis zu nehmen und einzuordnen, hat irgendwann das Gefühl, durchzudrehen. Das ist gewollt. Überforderung ist das Ziel und dann schließlich Apathie, die darauf beinahe zwangsläufig folgt. Was soll man schon machen? Bringt ja eh nichts.

Es fühlt sich so an, als würden die Poren der Seele verstopft. Meine Freundin benutzt gerne das Wort „Durchlässigkeit“, wenn sie von einer Empfindsamkeit, einer sensiblen Wahrnehmung für bestimmte Situationen spricht, in denen Klugheit und Intuition gefragt sind. Diese Durchlässigkeit geht unter dem Druck der Bilder und Informationen verloren. Ein Verlust, den wir uns nicht leisten können, nicht als Individuen, nicht als Gesellschaft.

Lass uns ihnen nicht auf den Leim gehen. Lass uns unsere Durchlässigkeit bewahren, indem wir dem Schneefall zuschauen, dem Ruf der Kraniche lauschen, den Kindern beim Spielen zusehen oder auch den Kaninchen, indem wir uns unsere Geschichten erzählen und am Leben der anderen teilhaben. Flood the Zone with Love.


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Eine Nachricht, die mich sehr gefreut hat

Gestern habe ich eine Nachricht erhalten, über die ich mich sehr gefreut habe. „Macht wirklich Freude, Dein Buch zu lesen.“ Das hat Sarah Koller geschrieben. Sie ist die Lektorin meines neuen Romans ‚Wut. Liebe. Filmriss.‘ Sarah hat auch schon mein letztes Buch ‚Huchting‘ lektoriert. Mir hat damals die Zusammenarbeit so viel Spaß gemacht, dass ich sie gefragt habe, ob wir das nicht wiederholen können.

Ein Lektorat ist für ein Buch sehr wichtig. Es passiert schnell, dass ich als Autor Details aus dem Blick verliere, wenn ich schon lange an einem Manuskript gearbeitet habe. Irgendwann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Da hilft ein professioneller Blick von außen. „Bist Du Dir sicher, dass sich die Person in dieser Situation so verhält?“ – „Warum steht der Charakter jetzt vor einer verschlossenen Tür? Im letzten Kapitel hat er doch einen Schlüssel mitgenommen.“ – „Ich finde, diese Szene braucht es nicht unbedingt.“ – „Ich würde das Kapitel anders nennen. Was hältst Du von diesem Vorschlag: …“

Bei unserer gemeinsamen Arbeit an ‚Huchting‘ habe ich gemerkt, dass Sarah versteht, was mir als Autor wichtig ist. Sie hat nicht einfach nur gute Tipps gegeben, sondern das künstlerische Konzept verstanden. Deshalb bin ich so dankbar, dass sie wieder mitmacht.

Und ich freue mich, dass ihr die Arbeit daran gefällt. Dabei ist das Thema der Geschichte(n) gar nicht so lustig. Es geht, grob gesagt, um Männer und Frauen, die ihren Platz in der Welt suchen oder glauben, ihn verteidigen zu müssen. Es kommt zu Verletzungen. Für manche endet es sogar tödlich. ‚Wut. Liebe. Filmriss.‘ tut manchmal ganz schön weh. Ich gehe darin nicht besonders rücksichtsvoll um mit meinen Figuren, mit mir selbst und mit meiner Leserschaft.

Ich finde, dass das notwendig ist. Nicht immer, aber immer wieder. Denn diese Suche nach dem Platz in der Welt, die Furcht davor, ihn möglicherweise nicht zu finden oder wieder zu verlieren, die kennen wir alle mehr oder weniger. Ziemlich schnell kann es dabei passieren, dass wir einander verletzen. Das ist verständlich. Aber es hilft natürlich nicht. Viel besser ist es doch, wenn wir uns gegenseitig unterstützen mit den Ressourcen, die wir haben, mit Wissen, Ratschlägen oder einfach nur ein wenig Zeit.

Eine banale Aussage, ich weiß. Aber vielleicht muss man sich auch solche banalen Dinge zwischendurch mal wieder vor Augen halten.


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Jede gute Tat eine Heldentat

Gemeinsam mit Freund*innen aus Fulda beschäftige ich mich regelmäßig mit Ausschnitten aus der Bibel. Wir treffen uns einmal im Monat, um gemeinsam zu beten, diese Texte zu lesen und darüber nachzudenken, welche Relevanz sie für unseren Alltag haben könnten. (Diese Treffen nehmen wir übrigens auf und veröffentlichen sie als Podcast. Du kannst sie hier finden, zusammen mit Texten und Gebeten, die wir dafür entwickelt haben.) 

Bei meinen Vorbereitungen auf das gestrige Treffen, bin ich auf die bekannte Stelle gestoßen, in der Jesus vom Weltgericht spricht (Matthäus 25). Dieser Abschnitt stellt ein Ereignis in der Zukunft vor, bei dem jemand, der als der Menschensohn bezeichnet wird, zu Gericht sitzt über die Menschheit und die Taten jedes Einzelnen beurteilt. Für die beurteilten Menschen stellt sich eine entscheidende Frage: Dürfen sie an einer utopischen, friedlichen Zukunft teilhaben? Das Kriterium dafür ist, ob sie gewisse Dinge getan haben oder nicht. Diese Taten sind so banal, dass sich die Beurteilten selbst nicht mehr daran erinnern können. 

Die Menschen sollten

  • dem Hungrigen zu essen geben
  • dem Durstigen zu trinken geben
  • den Fremden aufnehmen
  • den Nackten bekleiden
  • den Kranken besuchen
  • dem Gefangenen Gesellschaft leisten

Es handelt sich also nicht um komplizierte Dogmen, die man wissen, glauben, an die man sich halten sollte, es handelt sich nicht um herausfordernde religiöse Übungen, wie Askese, Selbstaufgabe, das Studium heiliger Texte oder Ähnliches. Stattdessen sind es naheliegende Dinge, die man aus reiner Menschlichkeit tut. Oder eben nicht.

Mich fasziniert an dieser Vision, dass die Handlungen von allen getan werden können, unabhängig von den wirtschaftlichen Möglichkeiten, den religiösen Überzeugungen und anderen Lebensbedingungen. Und dann gibt es noch einen besonderen Clou.

Der Menschensohn lässt deshalb diese Taten das entscheidende Kriterium sein, weil er selbst, der Richter, in jedem notleidenden Menschen anwesend ist. Jeder Mensch in Not personifiziert den Menschensohn. Das heißt, dass jede notlindernde, gute Tat eine Tat an ihm ist. Das hebt jede Hierarchie auf, sowohl, was die Stellung einzelner angeht (niemand ist weniger wert als jeder andere Mensch auch), als auch, was die Relevanz von Taten angeht (jede gute Tat ist eine Heldentat).

Mich bewegt das deshalb, weil im politischen Diskurs der Ton rau geworden ist. Nacheinander und immer schnellerer Folge werden einzelne Gesellschaftsgruppen zu Problemen erklärt, und zwar genau die, von denen Jesus redet: erst die Migrant*innen, dann die Bürgergeldempfänger*innen, dann die Kranken, die nicht genug arbeiten. Jedes Mal, wenn eine dieser Gruppen als Problem identifiziert wird, wird dem Rest der Gesellschaft erklärt, dass es ihm besser gehen wird, wenn man sich erst einmal um diese Problemgruppe gekümmert hat. Bei genauerem Hinsehen stellt sich dann heraus, dass das Problem übertrieben worden ist und auch der gesellschaftliche Nutzen, der aus den Maßnahmen folgen sollte. 

Mich bewegt die Vision, die Jesus entwirft, aber auch deshalb, weil in diesen Tagen Leute, die seinen Namen im Mund führen, ihm zu Ehren Lieder singen und ganze Bibelpassagen auswendig kennen, es feiern, dass in einem fernen Land jenseits des großen Teiches alte Menschen, Schwangere und auch Kinder von Agenten aus ihren Häusern und Autos gezerrt, auf den Schulwegen abgefangen, sogar aus den Kliniken geholt, eingesperrt und auch ermordet werden. In den allermeisten Fällen ohne juristische Grundlage. Es gibt Jesus-Fans, die sich darüber freuen und um Schutz und Segen für die maskierten Männer und Frauen beten, die diese Ungerechtigkeiten verüben. Ich vermute, dass Matthäus 25 nicht zu ihren Lieblingsbibelstellen gehört.

Ob man nun religiös ist oder nicht, ich glaube, es ist möglich, den Worten von Jesus zuzustimmen, weil die Geschichte belegt, dass sie wahr sind: Eine Menschheit, die sich den Schwächsten zuwendet, hat Zukunft. Eine Menschheit, die das nicht tut, hat sie nicht.

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Unruhige Hoffnung

Am vergangenen Wochenende habe ich mich mit einer Reihe mutiger, hoffnungsvoller und engagierter Menschen getroffen, die die Entwicklungen in der Welt und in der Gesellschaft zwar mit Sorge beobachten, sich davon aber nicht einschüchtern lassen, sondern darauf antworten mit guten Ideen, Worten und Taten.

„Unruhige Hoffnung“ war das Thema dieser Tagung. https://unruhigehoffnung.de/ Sie fand in der Akademie Biggesee in Attendorn statt. Und neben vielen wichtigen inhaltlichen Impulsen nehme ich vor allem einen mit: Wir brauchen einander. Was immer in der Zukunft auf uns zukommen mag, es ist wichtig, dass wir Teil von Gemeinschaften sind, die sich gegenseitig helfen und unterstützen. Denn zu solchen Gemeinschaften kann jede*r etwas beitragen, so groß oder klein es auch sein mag.

Ganz zu Beginn des Christentums, als es noch keine Religion, sondern eine jüdische Sekte war, war das das Prinzip, dem die kleinen Gemeinschaften folgten. Sie waren unbedeutend und über das ganze Römische Reich verstreut. Aber sie glaubten, dass sie in einer ganz besonderen historischen Situation waren, und sie waren gefasst darauf, dass außergewöhnliche Dinge unmittelbar bevorstanden, sowohl positive als auch negative. Außerdem waren sie miteinander vernetzt und halfen einander. Als das Römische Reich im Chaos versank, waren sie immer noch da.

Diese Art zu denken, ist mir am Wochenende begegnet. Es hat mich ermutigt. Überall um uns herum gibt es gute Menschen, die bereit sind, für das Gute einzustehen. Das ist ein hoffnungsvoller Gedanke, finde ich.

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