Am vergangenen Wochenende hatte ich eine schöne Begegnung mit einem befreundeten Sänger und Songwriter. Wir sprachen übers Songwriting, über unsere Lieder und Texte und über den Klassiker: die Spannung zwischen dem eigenen künstlerischen Anspruch und den Anforderungen des Marktes.

Wie sehr muss sich die Künstlerin/der Künstler den Erwartungen der potentiellen Käufer anpassen oder eben doch einen eigenen Weg gehen? Ist Kunst eine Dienstleistung, weil man sich ja schließlich gerne dafür bezahlen lassen möchte? Oder ist die künstlerische Arbeit doch eher so etwas wie eine pädagogische Leistung, bei der die Künstlerin/der Künstler die Leser/Hörer/Betrachter an die Hand nimmt und sagt: ‚Komm mal mit, ich zeig dir mal was …‘

Wahrscheinlich beides. Aber manchmal kommt es dabei eben zu Konflikten, die sich nicht immer mit einem Kompromiss lösen lassen. Manchmal muss ich als Künstler sagen: ‚Das muss so. Ob du das verstehst oder nicht, ist zweitrangig.‘

Klar, die eigenen Hör- und Seh-Gewohnheiten spielen dabei eine wichtige Rolle. Mein Freund fand zum Beispiel, dass mein erstes Musikalbum ‚Neue Helden‘ ein ‚ziemliches Brett‘ gewesen sei. Ich stimmte ihm zu, musste aber später noch ein wenig über den Satz nachdenken. Wie hatte er das gemeint? Wahrscheinlich so, dass die Texte und die Musik kein Easy Listening sind, dass sie nicht ohne Weiteres nebenbei konsumiert werden können, dass sie Aufmerksamkeit einfordern.

Okay, da musste ich ihm recht geben. So wollte ich es ja auch. Andererseits kommt mir persönlich die Platte immer noch recht poppig vor. Auch meinen Roman TimTom Guerilla finde ich poppig. Na gut, er ist lang. Aber er liest sich leicht. Die Verkäufe sind allerdings schleppend. Wenn ich Glück habe, sind jetzt gerade mal dreihundert Exemplare verkauft.

Anfangs, als sich so gar kein Verlag dazu bereit erklären wollte, das Buch zu verlegen, war ich etwas angesäuert. Ein paar Monate nach der Veröffentlichung kann ich sie allerdings verstehen. Ein Buch ist schließlich auch nur ein stinknormales Produkt, das verkauft werden soll. Und bei diesem Buch war den Verlagen schnell klar, dass sich ein Deal nicht rechnen würde: ein unbekannter Autor schreibt einen dicken Roman über eine Punkband aus Bielefeld. Wenn man davon ausgeht, dass die meisten Leser die Autoren lesen, die sie kennen, möglichst nicht zu dicke Bücher in die Hand nehmen möchten und sich außerdem nicht besonders für Musik und schon gar nicht für Bielefeld interessieren, sind das ein paar Verkaufsgegenargumente zu viel. Das ist nachvollziehbar.

Ich bin trotzdem froh, dass ich das Buch über dieses Thema und auch in diesem Umfang geschrieben habe. Trotz aller Fehler, die es enthält, ist es ein gutes Buch, finde ich. Es ist kein sehr gutes Buch, aber es macht Spaß und hat inhaltlich genug zu bieten, über das man sich noch länger Gedanken machen kann, wenn man das möchte. So verstehe ich überhaupt guten Pop – eingängig genug, um Spaß zu machen, und tiefgründig genug, um nachzuhallen. Ich finde, das hat ganz gut geklappt.

Und was den Umfang angeht, denke ich auch jetzt noch, dass die Geschichte ihn benötigt hat. Mir war in der Erzählweise ein quasi-dokumentarischer Zugang wichtig, bei dem nun einmal viele alltägliche Details eine Rolle spielen, ob es nun das Wetter oder deutsche Straßen und Städte sind. Der Ich-Erzähler sollte ein möglichst sachlicher, autistoider Beobachter sein, der der Handlung manchmal ein wenig entrückt ist. Auf diese Weise konnte er meine Kamera sein, die zwar bei allem dabei ist und alles aufzeichnen, aber nicht immer Gefühle deuten und schon gar keine Gedanken lesen kann. Diese Arbeit müssen sich die Leser selbst machen. So zu schreiben setzt aber voraus, dass man vielen Einzelheiten Beachtung schenkt, und das braucht halt Platz.

Natürlich ist der Roman manchmal derb. Aber abgesehen davon, dass so nun einmal das Leben ist und dass das auch dem Realismus geschuldet ist, gefällt es mir. Haben wir nicht schon genug vermeintlich ‚Schönes‘? Brauchen wir wirklich noch mehr Geschenkband-Ästhetik? Ich finde nicht.

Tja, der Markt und die Kunst, die Kunst und der Markt, die Markt und der Kunst. Wofür soll man sich im Zweifel entscheiden? Wenn‘s geht, für beides. Aber wenn’s nicht geht?

Dann sollte Kunst vor allem dem gefallen, der sie betreibt. Oder? Denn wenn es nicht so ist, wenn sie sich ausschließlich nach dem Publikumsgeschmack richtet, wenn sie nur noch Dienstleistung ist oder eine Ware, dann stellt sich irgendwann die Frage, ob das, was man da so macht, wirklich noch Kunst ist oder nicht doch schon Werbung oder Herrscherlob oder Entertainment oder so. Was ja alles an sich nichts Schlechtes ist.

Nur eben keine Kunst.

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