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Schönheit ist ein Ereignis

Gestern habe ich in Schleswig über Schönheit gesprochen. Wenn wir ihr begegnen, wissen wir, dass es sich um sie handelt. Aber schon sie zu beschreiben, misslingt häufig, weil Worte sie nur unvollständig wiedergeben können.  

Viele von uns versuchen deshalb, sie fotografisch festzuhalten, weil wir fast alle ein Smartphone und deshalb eine Kamera mit uns herumtragen. Am Samstagabend, als ich nach der Lesung noch durch die wunderschöne Altstadt von Schleswig schlenderte, habe ich das natürlich ebenfalls getan. Aber auch hier ist der Eindruck unvollständig. Die Fotos sind eben nur ein Abbild der Schönheit, die wir antreffen, und nicht sie selbst. 

Der Holm, Schleswigs ältestes und schönstes Viertel in der Abenddämmerung.
Eine alte Gasse in Schleswig

Und dann kommt noch etwas Weiteres hinzu. Wenn ich etwas als schön empfinde, heißt das ja nicht, dass es Dir genauso geht. Vielleicht betrachtest Du lieber den verwitterten Kiefer eines Tieres als eine alte Gasse in abendlicher Stimmung. Kann doch sein.

Der verwitterte Kiefer eines Tieres.

Was also ist das, Schönheit? Offenbar nichts, was man klar und eindeutig bezeichnen könnte.

Auf meinen Lesungen in der vergangenen Woche in Bremen, Lemgo, Bad Segeberg und Schleswig hat es allerdings Momente gegeben, die zumindest die meisten der Anwesenden als schön empfunden haben. Es waren nicht die Geschichten an sich, die schön gewesen sind, würde ich sagen, sondern vielmehr das gemeinsame Erleben von ihnen. 

Das könnte darauf hinweisen, dass nicht ein Ding oder eine Sache schön ist, sondern die Begegnung damit. Schönheit ist ein Ereignis, eine Begegnung mit mir selbst, mit der Welt und mit anderen. Schönheit kann erst in dieser Begegnung wirklich werden. 

Deshalb kann man sie nicht fotografieren und nur schwer beschreiben. (Natürlich kann man eine sehr schöne Fotografie anfertigen, aber dann ist eher die Fotografie das, was schön ist und was zu der Begegnung mit dem Schönen führt, und weniger das, was die Fotografie zeigt.)

Ich jedenfalls habe bei jeder der sechs vergangenen Lesungen solche schönen Begegnungen erlebt. Dafür bin ich sehr dankbar, gerade auch Euch, die Ihr eine der Lesungen besucht habt. 

Solltest Du eine der Lesungen besucht haben, ohne dabei etwas Schönes erlebt zu haben, dann tut mir das leid. Vielleicht gelingt es beim nächsten Mal. Oder Du gehst stattdessen lieber spazieren. Schließlich kann man überall schöne Begegnungen erleben.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

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