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Spuren, die wir hinterlassen

Das Amöneburger Becken. Am Horizont, über dem Ende des Weges, ist der Frauenberg zu erkennen. Er wurde so genannt, weil die Tochter der Heiligen Elisabeth, Sophie von Brabant, dort eine Festung errichten ließ, deren Ruine heute immer noch steht.

Gestern bin ich endlich mal wieder wandern gegangen. Ich benötigte dringend Zeit für mich alleine. Und ich hatte das Bedürfnis, mich für ein paar Stunden zu bewegen. Es gibt eine Tour ganz in unserer Nähe, die ich sehr mag. Sie führt durch das Amöneburger Becken, vorbei an den Orten Rüdigheim und Schweinsberg und an der Brücker Mühle.

Eine Karte mit der eingezeichneten Wanderroute.

Es ist eine wunderschöne, weite Landschaft. Und sie ist geschichtsträchtig. Überall sind Spuren der Geschichte zu sehen. Die Amöneburg thront auf ihrem Basaltkegel mitten in der Ebene. Sie war mal eine keltische Siedlung, später, unter Karl dem Großen, eine fränkische Festung. Bonifatius soll dort am Fuß des Berges, die hessischen Fürsten getauft haben. Heute ist es ein kleiner Ort, dessen Kirche St. Johannes der Täufer im ganzen Tal zu sehen und zu hören ist.

Die Burg Schweinsberg wurde frühestens im 12. Jahrhundert erbaut, wurde zerstört, wieder auf- und ausgebaut. Noch heute leben Teile der Familie von Schenck dort, deren Vorfahr die Burg errichtet hat.

Die Ortsnamensendung „heim“ in „Rüdigheim“ deutet darauf hin, dass der Ort ursprünglich eine fränkische Siedlung gewesen ist. Auf den umliegenden Feldern und Äckern hat man Siedlungsreste gefunden, die bis in die Altsteinzeit zurückreichen.

Im Brücker Wirtshaus, direkt neben der Mühle, wurde 1762 der Waffenstillstand zwischen Frankreich und Preußen beschlossen, der den siebenjährigen Krieg in Hessen beendete.

Ich weiß nicht, ob Du Dich für Geschichte interessierst. Mein Vater hat es getan. Und obwohl er bereits im vergangenen März verstorben ist, hatte ich gestern den wiederkehrenden Impuls, ein Foto zu schießen und es ihm zu schicken. Er hätte sich sehr darüber gefreut. Und er hätte mich sofort gefragt, was ich über die Familie von Schenck weiß. Und über die Schlacht an der Brücker Mühle. Dann hätte er sich an den PC gesetzt und selbst nachgeforscht.

Ich habe seit seinem Tod kaum Zeit gehabt, mich mit seinem Fehlen zu beschäftigen. Es ist einfach zu viel passiert, zu viel zu tun gewesen. Die Wanderung gestern hatte auch den Zweck, für ein paar Stunden zu mir selbst zu finden und Verdrängtes an die Oberfläche treiben zu lassen.

Gestern habe ich all diese Spuren von Menschen gesehen, die in ihrer Zeit wirksam gewesen sind und dann wieder verschwanden. Und ich habe mich gefragt: Welche Spuren willst Du hinterlassen? Soll man sich an Dich erinnern? Wenn ja, woran? Und all die Energie, die Du in Projekte investierst – wie lohnenswert ist das wirklich?

Große Fragen, ich weiß. Natürlich habe ich darauf keine Antworten gefunden. Nur ein Gedanke hat sich verfestigt: Wenn etwas gute Spuren hinterlässt, dann sind es liebevolle Taten.

Übrigens haben wir bei unserem Podcast openSPACE über ein ganz ähnliches Thema gesprochen: „Güte, die Spuren hinterlässt – Leben mit Wohlwollen“. Du findest das Gespräch auf der Webseite https://os17.de/.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

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