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Wie sieht die Zukunft aus?

Ich habe in den letzten Monaten an einem Kunstwerk gearbeitet, das ich zu einer gemeinsamen Aktion Marburger Künstler*innen beisteuern werde. Die Aktion heißt „Zwischenhausen zwischen den Welten“ und findet am 17. Juli anlässlich des Marburger Stadtjubiläums ‚Marburg800‘ im Zentrum der Stadt statt und zwar von 15 bis 23h.

Zwischenhausen ist eine kleine Gasse ganz in der Nähe der Elisabethkirche. Hier befindet sich das ‚Atelier Zwischen den Häusern‘ von Ursula Eske, die zusammen mit Waltraud Mechsner-Spangenberg und Edgar Zieser die Sache verantwortet und koordiniert. In dieser kleinen Gasse werden sich etwa 20 Künstler*innen austoben und Performances, Installationen, Bilder und Musik zeigen.

Es geht darum, Marburg zu ‚erfinden‘. Wie wird sich die Stadt, wie könnte sie sich in Zukunft verändern, wenn man an die Auswirkungen von Wetter-, Klima- und Strukturwandel denkt?

Ich freu mich sehr, dass Ursula, Waltraud und Edgar mich eingeladen haben, an dieser Aktion mitzuarbeiten! Natürlich habe ich zugesagt und mir sofort den Kopf darüber zerbrochen, was ich wohl zeigen könnte.

Mit ist ziemlich schnell klar geworden, dass es mir schwerfällt, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Ich lebe am Waldrand und habe es mir angewöhnt, meinen Wald nicht nur mit Zuneigung, sondern auch mit Sorge zu betrachten. Ich mache mir Gedanken über das Wetter, ob es zu viel oder zu wenig regnet, beobachte das Laub der Bäume und Sträucher und halte Ausschau nach Anzeichen von Trockenheit, ich suche nach dem Aufkommen von Insekten und Vögeln und freue mich, wenn ich das Gefühl habe, dass sie zahlreich sind, auch wenn ich weiß, dass statistisch gesehen sowohl die Zahl der Insekten als auch der Singvögel drastisch zurückgeht.

Wie wird Marburg in Zukunft aussehen? Das wüsste ich auch gerne. Ich hoffe: Stark bewaldet mit vielen Laubbäumen und wenigen Nadelhölzern, wild, feucht und dicht, ohne Motorenlärm, dafür mit Wohngebäuden, die sich an die klimatischen Verhältnisse angepasst haben und die es möglich machen, nicht nur Energie zu sparen, sondern vielleicht sogar neue zu erzeugen. Aber es fällt mir nicht schwer, mir das Gegenteil vorzustellen.

Ich habe zwei Visionen entworfen. Beide Bilder sind Montagen, die Malerei und Fotografie miteinander verbinden. Das Gemälde ‚Rote Antilope‘ habe ich mit einem Virtual Reality Headset gemalt. Es zeigt eine fliehende Antilope, die zu einem Sprung über ein Autowrack ansetzt. Im Hintergrund sind zerstörte Hochhäuser zu sehen. Die Szene spielt vor einem unruhigen Himmel mit einem sich scheinbar auflösenden Mond und einer gleichermaßen unruhigen, wüstenartigen Landschaft, die in Wellen zum rechten unteren Bildrand hin abzukippen scheint. Die Themen Krieg, Flucht, Vertreibung klingen an, aber auch Hitze, Wüste und das Meer als Salzwasserwüste.

Um dem Motiv einen Bezug zu Marburg zu verleihen, habe ich mich auf dem ‚Richtsberg‘ auf die Suche nach Motiven gemacht. Der Richtsberg ist ein sozialer Brennpunkt in Marburg, auf dem ähnliche Türme stehen, wie sie im Hintergrund des Bildes zu sehen sind. Dort habe ich das Wandbild einer blauen Giraffe gefunden. Sie passt perfekt zur Anmutung des Bildes. Ich habe sie fotografiert und in das Gemälde montiert.

Das zweite Bild ist eine Fotomontage, das den Platz rund um die Elisabeth-Kirche im Jahr 2432 zeigt. Der Wald hat sich den Ort zurückerobert. Wie schon auf dem ersten Bild sind nirgends Menschen zu sehen, nur ein weiteres Autowrack zeugt davon, was den früheren Bewohnern einmal wichtig gewesen ist. Belebt wird die Szene von merkwürdigen Tieren. Ich habe sie gemalt und in das Foto hineinmontiert: eine Katze aus Papier, eine grüne Antilope mit Boxhandschuhen auf den Hörnern und ein Bär. Auf der Tür des Autowracks hat sich ein Nymphensittich niedergelassen und protzt. Fast scheint es, als würde er den Sieg der Natur über die Zivilisation verkünden.

Im linken oberen Teil des Bildes fehlen Teile der Kirche, zwischen dem Geäst der Bäume schimmert Himmel durch, wo sich eigentlich Mauerwerk befinden sollte. Es ist ein harter Bruch zwischen den Wirklichkeitsebenen: Können Natur und Kultur friedlich nebeneinander existieren oder sind es konkurrierende Wirklichkeiten, die letztlich immer im Widerstreit miteinander liegen?

Begleitet und untermalt werden die beiden Bilder von einer Klanginstallation, die in Dauerschleife laufen wird. Es handelt sich um ein Stück, das etwa 02:20 Minuten lang ist. Zu hören ist zunächst Wind und ein großes Feuer. Metall knarrt. Hufgetrappel nähert sich. Ein Tier springt, berührt mit den Hufen den metallischen Gegenstand, dann verliert sich das Getrappel in der Ferne. Die Szene wechselt, jetzt ist ein Bach zu hören und zwitschernde Vögel. Hier und da flattert ein Vogel auf. Irgendwo ruft ein Kuckuck.

Die Bilder habe ich auf Leinwand im Format 60 x 80 cm drucken lassen. Ich werde sie je auf eine Staffelei stellen, so dass man sie nebeneinander betrachten kann. Dazwischen werde ich einen kleinen Tisch aufstellen, auf dem ein Bluetooth Lautsprecher die Klanginstallation abspielen wird.

Mein Vorschlag an Dich, wenn Du das Kunstwerk genießen willst, wie es mir vorstelle: Betrachte die Bilder abwechselnd, während Du der Klanginstallation lauschst. Wechsle je nach Geräuschkulisse zum jeweiligen Bild. Vielleicht ist es aber auch interessant, die Bilder mit dem ‚falschen‘ Sound zu betrachten.
Wenn Du möchtest, kannst Du die Installation in einem virtuellen Ausstellungsraum auf Dich wirken lassen. Die Bilder hängen quasi vor Dir an der Wand, während der Sound abgespielt wird, sowie Du den Raum betrittst. Hier geht es zur Ausstellung:

Was denkst Du? Welche Ideen kommen Dir? Gefällt Dir, was Du siehst und hörst?


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