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Einfach schön und riesengroß

ich stehe neben dem 5X5 m großen Gemälde.

Du erinnerst Dich vielleicht, dass ich Dir vor einigen Wochen von dem großen Gemälde geschrieben habe, das ich gemeinsam mit Freund*innen aus meiner Kirche gemalt habe.

Es war eine schöne und irgendwie auch waghalsige Aktion. Denn wir wussten zwar, dass und wie wir malen wollten (mit Reisigbesen, Stoffen, Asche und Kohle, mit angekohlten Ästen und Seilen). Aber wir wussten nicht, WAS wir malen würden.
Das alles für eine Konferenz, die an einem bekannten, öffentlichen Ort in Marburg stattfand und von etwa 300 Menschen aus ganz Deutschland besucht wurde.

Die Verantwortung für das künstlerische Konzept dieser Veranstaltung lag bei mir. Es wurde Monate im voraus „Kunst von Gofi Müller“ versprochen, noch bevor ich überhaupt wusste, was wir machen würden und ob das erfolgreich sein würde.

Diese Verantwortung wurde ich selbstverständlich nicht los, auch dann nicht, als ich die anderen mit ins Boot holte. Das wollte ich auch gar nicht. Es ging mir vielmehr darum, nicht als einsames Genie dazustehen, bei dem man gar nicht weiß, wie sie/er auf diese Gedanken kommt. Dieser Geniekult ist sowas von 18. Jahrhundert und einfach totaler Quatsch. Unser Kunstwerk sollte zeigen: Es ist schön, es ist fett und eigentlich kann das jede/r.

Deshalb habe ich mir das Konzept gemeinsam mit Frixe, Harald und Michael ausgedacht, wobei gerade Haralds Expertise unschätzbar wertvoll war. Das Bild gemalt habe ich mit Christian, Caroline, Frixe und Harald, wobei ich auch hier wieder Harald hervorheben möchte, der mit mir gemeinsam bis zum Schluss gearbeitet und das Gemälde ganz maßgeblich mit komponiert hat.

Schließlich haben wir noch eine Plastik hinzugefügt, die aus den Malinstrumenten errichtet wurde, die wir benutzt haben. Dabei haben mir Anke und Michael geholfen, ohne die ich das nicht geschafft hätte.

Die Kunst musste groß und eindrücklich sein, denn sie durfte nicht als Dekoration missverstanden werden. Es sollte klarwerden, dass sie ein eigenes, inhaltliches Statement setzt: Aufbruch als Gemeinschaft ins Ungewisse, der Glaube daran, dass daraus etwas Schönes entstehen kann, organisches Wachstum statt Malen nach Zahlen, ein Fest wilder Ideen.

Die Reaktionen der Besucher*innen waren sehr, sehr positiv. Ich habe viele Gespräche geführt über Kunst und Kreativität und über den Mut, unkonventionell zu denken und zu handeln.

Jetzt bin ich happy. Und erschöpft. Dieses Projekt hat mich seelisch stärker unter Druck gesetzt, als ich es wahrgenommen habe. Ich mache erstmal für ein paar Tage Pause. Unten folgt noch eine kleine Fotostory.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

Um das Gemälde überhaupt aufhängen zu können, musste eine Traverse installiert werden, die von zwei Motoren nach oben gezogen wurde. Zuerst wurden die oberen zwei Panels installiert und in die Höhe gezogen,
dann folgten die unteren beiden, die mit den oberen verschraubt wurden. Die Rahmen bestanden aus Aluminium. Die Leinwand wurde in dafür vorgesehene Nuten gekedert.
Schließlich wurde das Bild an seinen Platz gehoben.
Weil wir auch Asche und Kohle verwendet haben und die Farbe sehr dick und pastos verwendet haben und weil von den Reisigbesen auch einzelne Zweige hängen blieben, hat das Gemälde eine schöne strukturierte Oberfläche und wirkt sehr räumlich.
Die Struktur der Plastik sah am Ende so aus.
Sie wurde mit weißem Papier umhüllt. An die obere Front kam einer der Stoffe, mit denen wir gemalt hatten, als eine Art Kranz oder Halo.Beleuchtet wurde die Plastik in verschiedenen Farben.
So sah das ganze Ensemble während der Veranstaltung aus. Auf den Bühnen sind auch noch große Drucke von Nahaufnahmen des Gemäldes zu sehen.
Chaos und Kosmos, Acryl, Asche, Kohle und Zweige auf Leinwand, 500 x 500 cm, 2026. (Danke an Winnie Haupt für das Foto)
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