Ich bin auf der Buchmesse in Frankfurt gewesen und habe dort eine Lesung gehalten. Mein neuer Roman wurde am Stand des Verlags wunderschön präsentiert. Darüber freue ich mich wirklich sehr!
Aber ich will auch ehrlich sein. Das ist keine ganz normale, fast natürlich zustande gekommene Erfolgsstory, „weil ich halt gut bin“. Und sie dauert schon viel länger, als es den Anschein hat. Dreizehn Jahre, um genau zu sein.
Ich bin erst das zweite Mal auf einer Buchmesse gewesen. Das erste Mal liegt jetzt vier Jahre zurück. Nach diesem ersten Besuch habe ich mir geschworen, nie mehr wiederzukommen.
Ich hatte gehofft, dass ein literarisches Werk, das bei einem Verlag veröffentlicht worden ist, mir vielleicht die eine oder andere Tür im Literaturbetrieb öffnen würde. Aber mein Buch ‚Huchting‘ war schon seit einiger Zeit erschienen und verkaufte sich schlecht.
Meine Hoffnung war allerdings älter viel als ‚Huchting‘. Schon 2013 hatte mich eine Literaturagentur unter Vertrag genommen und mir in Aussicht gestellt, einen Platz für mich bei den großen Verlagen zu finden. Das gelang nicht. Zwei Jahre später löste ich den Vertrag auf und machte auf eigene Faust weiter. Ich veröffentlichte den Roman ‚TimTom Guerilla‘ selbst und machte Lesungen in Wohnzimmern und kleinen Locations.
Bei meinem ersten Messebesuch begegnete ich also dieser Welt, die mich nicht haben wollte, sichtbar und geballt in mehreren riesigen Hallen. Die großen Häuser zeigten ihre Macht durch imposante Werbetafeln, ihre Logos prangten über riesigen Ständen, überlebensgroße Porträts von Autor*innen überall, von zahlreichen Bühnen hörte man die Stimmen wichtiger Menschen, denen andere gebannt zuhörten.
Ich sah auch die Stände der kleinen Verlage, unscheinbar und an den Rand der Hallen gedrängt. Und dazwischen ich, ein ganz normaler Messebesucher, der von der unfassbaren Menge an Büchern, Menschen und Informationen überfordert war. Und der mit dem ganzen Treiben absolut nichts zu tun hatte, obwohl er es seit über 10 Jahren hartnäckig versuchte. Als ich nach Hause fuhr, stand für mich fest, dass ich mir meine Niederlage nie wieder so ins Gesicht reiben lassen wollte. Es tat zu weh.

Und dann kam 2026. Ich habe einen neuen Verlag gefunden und bin vorgestern doch wieder zur Messe gefahren. Diesmal hatte ich immerhin eine Funktion in dem großen Treiben. Mein Buch wurde gezeigt, meine Stimme gehört. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt Teil des Literaturbetriebs wäre. Dass ich es jemals werde, ist eher unwahrscheinlich. Und ich glaube, das ist auch gar nicht wirklich erstrebenswert. Autor*innen tauchen auf und ganz schnell wieder ab. Andere werden aus verschiedenen Gründen gar nicht erst zugelassen. Die Arbeit mehrerer Jahre wird mit einigen wenigen Sätzen verrissen. Vom Schreiben leben, können nur die allerwenigsten.
Was ich stattdessen habe, ist viel wertvoller. Zum Beispiel einen kleinen Verlag, den ich jetzt schon liebe, weil ich mit Lisa und Tobias über alles reden, Ideen austauschen, die Bälle zuspielen kann, der mir eine Plattform und Unterstützung anbietet, wie ich sie selten erfahren habe. (Der Verlag ruach.jetzt hat mir die Lesung auf dem Podium Rheinland Pfalz überhaupt erst ermöglicht.)
Und natürlich Dich. Du, die/der Du meinen Newsletter liest, Dich interessierst, Anteil nimmst, mich ermutigst und vielleicht sogar finanziell unterstützt.
Also, ja, ich bin dankbar für mein Buchmessenerlebnis vom vergangenen Wochenende. Ich habe überhaupt nichts gegen ein großes Publikum, und ich freue mich sehr darüber, dass mir auf der Messe Menschen zugehört haben, die vorher gar nicht wussten, dass es mich gibt.
Aber viel wichtiger ist mir eine kleinere Gruppe aus Bekannten und Freund*innen, die sich aufrichtig für das interessieren, was ich tue, und davon profitieren. Die vergangenen, oft harten Jahre haben uns zusammengeführt. Danke, dass Du dazugehörst.
Ich wünsche dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!
Dein Gofi